Der Tierschutzhund (Hinweise zur Adoption)

Der Tierschutzhund

Sie haben sich für einen Tierschutzhund aus dem Ausland entschieden.

An was müssen Sie nun alles denken und was beachten?

Diese Broschüre soll Ihnen zusätzlich zu einem ausführlichen Gespräch mit uns eine Stütze sein.

Sie können „Glück“ haben und ihr neuer Hund zeigt kaum bis gar keine Auffälligkeiten. Auch dieses ist möglich und kommt oft vor. Es kann aber auch anders kommen.

Viele der Hunde haben noch nie in einem Haushalt gelebt. Sie kennen keine Treppen, keinen Türrahmen, keine bestimmten Geräusche und sind nicht stubenrein. Mit Menschen haben sie bereits schlechte Erfahrungen gemacht, sind vielleicht sogar misshandelt worden.

Vertrauen müssen diese Hunde erst lernen und dafür benötigt man viel Geduld und eine komplett gewaltfreie Erziehung. Gewalt kennen diese Hunde schon, nun wird es Zeit ihnen Liebe zu zeigen.

Bitte haben Sie Verständnis für Ihren neuen Hund. Er hat vielleicht erst mal Angst vor vielen Dingen und sei es nur das Geräusch der Kaffeemaschine.

Schimpfen Sie nicht mit ihm, wenn er in die Wohnung macht, sondern führen Sie ihn sofort nach draußen um ihm zu zeigen, wo er eigentlich „sein Geschäft“ erledigen sollte.

Erzwingen Sie nichts und lassen Sie ihm Zeit sich zu entwickeln.

Vielleicht hat Ihr neuer Hund bereits Angst davor, Ihr Haus zu betreten. Er weiß nicht was sich dahinter verbirgt und ob dieses positiv oder negativ sein wird. Einige Hunde sind in ihrem Leben schon mal in ein Haus gegangen um z.B. nach Futter zu suchen und dabei Gewalt begegnet weil sie nicht willkommen waren. Vergessen Sie dieses bitte nicht! Selbst ein Anstarren des Hundes oder Anfassen kann ihren Hund am Anfang verängstigen, er kennt diese Aufmerksamkeit ggf. nur mit darauffolgender Gewalt.

Sobald Ihr neuer Hund in sein neues Heim eingetreten ist, lassen Sie ihn in Ruhe alles erkunden. Er muss sich erst mal zu Recht finden. Wenn Sie einen Garten haben der umzäunt ist, lassen Sie direkt die Tür dahin auf. Er wird dann merken, dass er nicht eingesperrt und ihm Zeit gelassen wird.

Falls Kinder in ihrem Haushalt leben, reden Sie mit diesen ausführlich über den neuen Hund. Er wird Angst bekommen, wenn ihre Kinder auf ihn zu stürmen, mit dem Bagger durch die Wohnung heizen oder sich hastig benehmen und laut sind.

Besorgen Sie sich von Anfang an ein Sicherheitsgeschirr für den Hund und legen Sie ihm dieses IMMER um, bevor es nach Draußen geht (egal ob aus dem Auto oder aus dem Haus heraus). Der Hund kann anfänglich schnell in Panik geraten und sofort los laufen, irritiert von den neuen Eindrücken, in Panik oder aus Überforderung. Haben Sie immer direkt die Leine an dem Sicherheitsgeschirr. Loben Sie ihn immer, wenn Sie ihm Geschirr und Leine umtun, er wird es positiv verknüpfen.

Machen Sie in der ersten Zeit keine großen Spaziergänge. Falls Sie einen Garten haben, führen Sie ihn erst bloß dort aus. ALLES wird neu für ihren Hund sein, jeder Baum, jedes Blatt, jede Bewegung und jeder Geruch. Führen Sie ihn lieber häufiger, als länger aus (maximal 15 Minuten) und gehen Sie am besten den gleichen Weg zurück, den Sie gekommen sind. Den Weg wird er dann schon kennen und ihn schneller „gut“ finden.

Lassen Sie ihrem neuen Hund Leine! Ihr Hund hat vielleicht schon schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, bei einem Menschen nah „bei Fuß“ zu gehen, kann in ihm Ängste und ein Unwohlsein auslösen. Er wird irgendwann gerne nah bei Ihnen gehen, aber erst muss er Vertrauen zu Ihnen erhalten.

Achtung auch bei entgegenkommenden anderen Hunden. Er mag vorab in einem Rudel gelebt haben und sich sozial verträglich gezeigt haben, das heißt aber nicht, dass er automatisch immer noch sozial eingestellt ist, wenn er erst mal bei Ihnen lebt. Ggf. hat er sich vorab immer angepasst und untergeordnet um zu überleben, ist jetzt aber froh keine anderen Hunde mehr um sich zu haben und reagiert aggressiv auf Artgenossen.

Legen Sie in den ersten Wochen NIEMALS die Leine ab. Es ist zu früh. Lassen Sie ihn lieber an einer langen Leine laufen. Er kennt hier noch nichts und alles kann ihn aufschrecken lassen. Das hat er auch noch nicht nach ein paar Wochen abgestellt.

Gewöhnen Sie ihren Hund langsam daran, auch mal alleine sein zu müssen und lassen Sie ihn nicht direkt alleine. Es würde ihn überfordern.

Auch wenn sich alle über das neue Familienmitglied freuen, laden Sie bitte nicht sofort Freunde und Familie ein, um den neuen Hund kennenzulernen. Den erhöhten Stresspegel kann man Ihrem Hund ersparen.

So gut ihr Futter für Ihren neuen Hund auch sein mag, mit Verdauungsproblemen müssen Sie rechnen. Er kennt wahrscheinlich nur minderwertiges Futter oder Essensreste, der Magen muss sich erst noch umstellen. Ggf. treten auch Allergien z.B. gegen Getreidesorten auf. Das heißt nicht, dass Sie alles falsch machen, sondern dass Sie sich erst aufeinander einspielen und sich kennenlernen müssen. Unsere 1. Vorsitzende Maike Schmidt verfügt über eine Zusatzausbildung im Bereich Futter und gibt jedem Adoptanten und Interessierten ein kleines Handout mit.

Holen Sie sich Unterstützung von einem Hundetrainer der in dem Bereich Tierschutzhund weitergebildet ist. Sie und Ihr neuer Hund werden davon profitieren. Bei uns ist die 2. Vorsitzende Lena Mucke erste Ansprechpartnerin bei Problemen. Sie hat einen Trainerschein und berät gerne persönlich und kostenfrei.

 

Seien Sie bitte nicht frustriert, wenn nicht direkt alles funktioniert, geben Sie sich Zeit. Liebe muss sich entwickeln, das ist unter Menschen nicht anders.