Interview mit Christian Kellner von

TransPaw Pet Express

zum Transport der Tiere

Wie kommt man dazu, Hunde aus dem Ausland in ihr neues Leben nach Deutschland zu fahren?

Die Geschichte würde den Rahmen sprengen...
Ausschlaggebend war aber die Adoption einer Hündin aus Spanien.
Sie und ihr Beinahe-Schicksal machten mich aufmerksam auf die Zustände im Umgang mit den Straßenhunden im Ausland. Mitte 2014 habe ich bei Facebook gezielt nach Fahrten zu den Problemländern gesucht und bin auch fündig geworden. Mit einer mittlerweile sehr guten Freundin und noch 2 weiteren Begleitern ging es dann nach Rumänien. Für mich eine ganz andere Welt und auch verbunden mit sehr vielen emotionalen Momenten. Seit dieser Fahrt bin ich nicht mehr vom Tierschutz im Ausland weggekommen. So entstand auch der Gedanke Hunde in ihr neues besseres Leben zu begleiten. Da ich gern fahre und dies wohl auch Grundvoraussetzung als Transporteur ist, war die Wahl für mich getroffen. Mein Ziel ist vorrangig einfach zu helfen wo und wie ich es am besten kann.

Benötigt man dafür eine spezielle Ausbildung/Fortbildung?

Ja, man benötigt zumindest eine Fortbildung die den Inhalt und die Schwerpunkte zur Verbringung von Haustieren behandelt. In meinem Fall war es eine 2-jährige Ausbildung zum Hundeverhaltensberater und ein anschließender Sachkundenachweis beim zuständigen Veterinäramt. Auch eine regelmäßige Weiterbildung auf dem Gebiet ist erforderlich und zu empfehlen.

Wie läuft das ab mit einem Transport von Rumänien nach Deutschland und was ist dieses „Traces“? Wie funktioniert das Ganze, bekommen die Tierärzte Bescheid?

Wie läuft das ab? Gute Frage. In der Regel werde ich als Transporteur von Tierschutzvereinen beauftragt Hunde aus zb. Rumänien nach Österreich, Deutschland oder anderen Ländern innerhalb der EU zu transportieren. Hierfür werden die Daten der zu transportierenden Hunde an den Transporteur und an den zuständigen Amtsveterinär im Ausland übermittelt. Im Vorfeld wird ein geeignetes Datum zur Abholung im Ausland vereinbart. Ausschlaggebende Faktoren hierfür sind hauptsächlich Impfstatus, allgemeiner Gesundheitszustand und Alter des Tieres. Wenn das alles in Ordnung ist steht einem Transport prinzipiell nichts mehr im Wege.

TRACES steht für „Trade Control and Expert Service“. Es handelt sich hierbei um ein Datenbanksystem mit der Aufgabe den gesamten Tierverkehr innerhalb der EU wie auch aus der EU und in diese zu erfassen. Jeder gewerbliche Transporteur aber auch Tierschutzvereine, Händler usw. von Tieren unabhängig von Art und Rasse dieser muss in dieser Datenbank registriert sein. Die Registrierung im Traces erfolgt durch das Veterinäramt. Es werden alle notwendigen persönlichen Daten hinterlegt aber auch welches Fahrzeug zum Transport genutzt wird.

Was ist das genau für ein Transporter? Was hat er für Extras für die Tiere an Bord?

Unser Transportfahrzeug ist ein ehemaliger Mercedes Sprinter Rettungswagen. Dieser bietet eine sehr gute Basis, gerade in Hinsicht auf Reinigung (Desinfektion), Geräuschdämmung und Komfort. Das Fahrzeug verfügt im Transportraum über eine integrierte zusätzliche

Klimaanlage, eine von der Klimaanlage getrennte und über Thermostat geregelte Warmwasserheizung, 2 separate Lufteinlässe um auch Frischluft im Laderaum zu gewährleisten, insgesamt 5 Fenster um während der Tour auch Tageslicht für die Hunde zu bieten, eine stufenweise zuschaltbare Innenraumbeleuchtung, 270 Grad Außenbeleuchtung um auch in Dunkelheit eine sichere Übergabe der wertvollen Fracht zu ermöglichen. All diese Komponenten mit Ausnahme der Lufteinlässe sind sowohl im Laderaum zu aktivieren als auch zu jeder Zeit vom Fahrersitz aus über eine Schalttafel am Armaturenbrett. Speziell

für Hunde ist davon zwar nichts aber nach mehreren Transporten kann ich sagen, dass das Fahrzeug die absolut richtige Wahl war. Einzig das mobile akustische Beruhigungssystem ist speziell für Hunde entwickelt und leistet sehr gute Dienste während der Fahrt. Die Hunde sind im Regelfall alle recht entspannt.

Der Transporter wurde vom Veterinäramt als sehr gut geeignet zurVerbringung von Haustieren abgenommen.

Bekommen die Hunde Essen und Trinken während der Fahrt?

Natürlich werden die Hunde während der gesamten Fahrt mit Wasser und Futter versorgt. Es ist nicht nur selbstverständlich, sondern auch explizit im Tierschutzgesetz vorgeschrieben. Wir führen auch bei jedem Transport Buch über Tränkung und Fütterung.

Ist so eine Fahrt belastend für einen Hund?

Definitiv ja. Viele Hunde haben noch nie ein Auto von innen gesehen geschweige denn, dass sie die Fahrgeräusche, Bewegungen etc. überhaupt zuordnen können. Hinzu kommt die Ungewissheit des Bevorstehenden und das wir als Transporteur ja auch noch völlig fremde Menschen sind.

Hält man zwischendurch mal an und lässt die Hunde ihr Geschäft draußen erledigen? Geht Gassi?

Hierzu ein klares Nein.

Die Hauptgründe hierfür sind zum einen auf der Seite der Versicherung und zum anderen schlicht und ergreifend der Zeitfaktor. Man bedenke, was passieren kann, wenn ein Hund irgendwie entläuft während des Gassiganges. Wenn man in die Situation versetzt, dass man mit 20-25 Hunden ggf. separat Gassi gehen muss kann man sich annähernd vorstellen welch ein Zeitaufwand dies ist. Wir möchten den Hunden einen sicheren und schnellen Transport zu ihren neuen Familien bieten und deshalb verzichten wir auf einen Gassigang.

Stinkt es dann nicht sehr an Bord?

Es kommt durchaus vor, dass es etwas unangenehm riecht, wenn mehrere Hunde in einem Raum untergebracht werden. Das lässt sich leider nicht vermeiden. Auch der Geruch durch die Ausscheidungen der Tiere trägt natürlich mit dazu bei. Durch die Frischluftzufuhr und die regelmäßige Reinigung der Transportbehältnisse hält sich der „Gestank“ allerdings in Grenzen. Wir haben für jede Transportbox saugstarke Inkontinenzunterlagen auf dem Boden ausgelegt, die nach dem kleinsten Malheur ausgetauscht werden.

Ruhst du dich selber zwischendurch mal aus oder wie lange fährst du am Stück? Bist du alleine an Bord, wer kümmert sich um die Hunde?

Wir fahren nie allein. Im Schnitt wird nach 3-4h Fahrzeit ein Fahrerwechsel durchgeführt. Eine Ruhepause gibt es nur in der Zeit in der man nicht fahren muss. Meine stetige Begleitung ist meine Lebensgefährtin. Sie ist mit allen Anforderungen bestens vertraut und wir ergänzen uns auf allen Gebieten. Um die Hunde kümmern wir uns gemeinsam. Bei jedem Stopp aber natürlich auch während der Fahrt wird der Zustand unserer Passagiere geprüft, die Sauberkeit ihrer Unterbringungen sowie die Wassernäpfe und die Futterrationen.

Wie verhalten sich die Hunde während der Fahrt? Haben sie Angst?

Die meisten Hunde sind eher ruhig während der Fahrt. Meist bescheren uns die jüngeren Fahrgäste gern mal eine kleine Gesangseinlage oder auch ein nettes Chaos in ihrer Box aber in der Regel ist das alles halb so schlimm und irgendwie ja auch nur verständlich. Es gibt natürlich auch Hunde, die Angst haben aber meist legt sich diese nach kurzer Zeit oder durch eine kleine Bestechung mit einem Leckerli. Wir hatten aber auch schon Hunde an Bord, die wir buchstäblich wecken mussten. Sie sollen ja schließlich nicht die Ankunft bei ihrer neuen Familie verschlafen.

Kann Jeder einen Hund in Rumänien „bestellen“ und dich buchen?

Ja und Nein. Ein seriöser Tierschutzverein führt bei einer „Bestellung“ im Vorfeld des Transports für gewöhnlich eine Vorkontrolle beim potentiellen Interessenten durch. Erst nach erfolgreich abgeschlossener „VK“ besteht die Option mich zu buchen. Da ich es bevorzuge mit Tierschutzvereinen zu arbeiten kann mich dementsprechend nicht jeder buchen.

Was unterscheidet einen guten und angemeldeten Transport von einem schlechten Transport wie z.B. illegaler Welpenhandel?

Eine ganze Menge. Zum einen wird ein Welpenhändler niemals den Aufwand betreiben ein Fahrzeug für den Transport von Tieren herzurichten/umzubauen. Des Weiteren hat ein guter Transporteur alle Erlaubnisse zur Beförderung von Haustieren, alle Tiere sind in Transportbehältnissen, die ihrer Größe und körperlichen Beschaffenheit entsprechen, zu jedem Tier gibt es Transportpapiere, EU-Pass usw. Alle Tiere sind geimpft und gechipt und nicht jünger als 15 Wochen.

Gibt es Kontrollen von Behörden unterwegs? Müssen die Papierezwischendurch mal irgendwo vorgezeigt werden?

Nein. Es besteht allerdings immer die Chance in eine Kontrolle zu geraten. Die Transportpapiere und Pässe der Tiere müssen maximal beim Grenzübertritt vorgezeigt werden. Auch der Befähigungsnachweis des Transporteurs muss immer in Kopie mitgeführt und auf Verlangen der Behörden vorgezeigt werden können. Eine direkte Kontrolle habe ich aber bisher noch nirgends erlebt.

Wie ist die Route? Wo übergibst du die Hunde?

Unsere Route führt uns meist von Bukarest in Rumänien quer durchs Land. Von dort aus durch Ungarn über Österreich nach Deutschland. In Österreich und Deutschland haben wir eine Hand voll feste Anfahrtspunkte aber ansonsten sind wir eher flexibel. Unser Augenmerk liegt darauf, die Adoptanten im Umkreis von 1h Anfahrtsweg zu treffen. Als Übergabeorte dienen aufgrund des mangelnden Angebotes meist gut erreichbare aber nicht zu stark frequentierte Übergabeorte, die bei jeder Tour individuell ausgesucht werden. Auch den Transport bis zur Haustür des neuen Zuhauses des Hundes bieten wir in Absprache an. Bei einer Anzahl von 15+ Hunden im Fahrzeug wird dies allerdings nur in Ausnahmefällen ermöglicht, da es eine erhebliche Mehrbelastung für Tier, Mensch und Maschine darstellt.

Was empfiehlst du den Adoptanten und Abholern der Hunde? Was sollen sie mitbringen, worauf achten und was unbedingt unterlassen?

Anhand der bisherigen Erfahrungen kann ich nur immer wieder darauf hinweisen die Hunde möglichst entspannt und nicht mit der ganzen Familie zu empfangen. Die Tiere sind gestresst und kommen in eine völlig neue Umgebung. Versucht nicht gleich all eure Liebe, Freude und Begeisterung beim Empfang dem Tier entgegen zu bringen. Auch den Gassigang direkt bei Ankunft würde ich nicht empfehlen. Viel zu oft sind Hunde schon dabei entlaufen und leider auch verunglückt.

 

Meine Empfehlung lautet: Kauft euch vor Ankunft ein Sicherheitsgeschirr für den Hund, ein Halsband und eine geeignete Leine mit 2 Karabinern um eine doppelte Sicherung am Halsband und Geschirr des Vierbeiners zu ermöglichen. Lauft nicht mit dem Hund am Übergabeort umher. Es sei denn dieser ist eingezäunt und sicher vor Ausbruch. Am besten ihr habt eine geeignete Transportbox dabei in der der Hund bis zur Ankunft zu Hause den Rest der Reise verweilen kann.