Mein Besuch bei Werner Schneider von der Tierstiftung Hundegnadenhof Diggersworld

Am 10.05.2018 besuchte ich Werner Schneider in Georgensgmünd (in der Nähe von Nürnberg) auf seinem Gnadenhof.
Zurzeit leben dort 27 Hunde zusammen mit ihm und seiner Tochter Jenny in einem 160qm großen Haus und einem Grundstück von 6000qm.
Die Hunde haben ein riesiges, fest umzäuntes Grundstück zum Spielen, Toben und in der Sonne liegen. Selbst ein großer Schwimmteich steht Hund und Mensch zur Verfügung.

Aber wer ist Werner Schneider überhaupt und was für Hunde leben dort?
Werner ist zwischen 55-65 Jahren alt (genauer darf ich dieses nicht bekannt geben 😉) und hat eigentlich mal Verlagskaufmann erlernt. Des Weiteren hat er einen Imbiss geführt, war als Schlagersänger unterwegs, hat als Detektiv ermittelt und sogar der Polizei beratend als Streetworker zur Seite gestanden. Auch die Hundeführer hatten sich mit der ein oder anderen Frage an den Hundefreund gewandt.
Vor über 18 Jahren hat Werner mit seiner damaligen Frau und seiner Tochter in einem 3-Familienhaus in der Stadt gelebt, als er bei Bekannten zu Besuch war und deren Kettenhund kennenlernte. Der Schäferhund fristete (ja, das gibt es auch in Deutschland) sein Leben an der Kette im Garten und hatte wenig Freude im Leben. Im ersten Moment machte er auch den Anschein, aggressiv zu sein, was sich hinterher aber hauptsächlich als Langeweile und Unterforderung herausstellte.
Nicht lange überlegt, kaufte Werner den Hund für 1000 DM frei und nannte ihn Digger. Außerdem begann er bei einer deutschen Tierauffangstation als „Mädchen für alles“ an zu arbeiten. Eines lies ihm jedoch keine Ruhe…….warum mussten die Hunde alle in Zwingern leben? „Das muss doch auch anders gehen?“ fragte sich Werner. Kurzer Hand fing er an, die Hunde mit nach Hause zu nehmen und zog extra in ein eigenes Haus auf dem Land dafür um. Bei ihm lebten die Hunde frei im Rudel…..und alles nahm ab nun seinen Lauf.
Den „Digger“ resozialisierte er, so dass dieser sogar als „Schulhund“ in Grundschulen vorstellig wurde und es wurde ein richtiger Tierschutzverein gegründet.
Immer wieder entdeckte Werner, dass es so viele Hunde gab, die niemand mehr wollte, weil sie alt, krank oder behindert waren. Todesspritze, weil behindert??? Nein, das wollte und konnte Werner nicht zu lassen. So entstand der Hundegnadenhof Diggersworld! Werner nahm sich den Hunden an, die man sonst getötet hätte oder die elendig zu Grunde gegangen wären. Ob diese Hunde aus Deutschland, Rumänien, Irland oder vom Mars kommen, ist Werner dabei ganz egal.
Vor 12 Jahren kaufte er das jetzige Haus und Grundstück und gründete vor ca. 2 Jahren eine Tierstiftung. Bei ihm gibt es mittlerweile drei Festangestellte, die ihn tagtäglich unterstützen. Alle Spenden werden von der Tierstiftung verwaltet, Werner selbst weiß meistens gar nicht, was auf dem Spendenkonto ist. Er selbst, lebt nicht von den Spenden, sondern lebt davon, dass er Lebenskünstler ist. Er verfasst Bücher über die Hunde, ihre Leidensgeschichten und ihr Happy End. Fast jede Woche unterhält Werner aufmerksame Zuhörer und Fans in einer eigenen Radiosendung. Werner stellt Kalender und Kleidung über den Gnadenhof her, schreibt seine eigenen Lieder und lebt von diesen Einnahmen. Selbst Wasser, Strom, Hausrate etc. bezahlt Werner selbst und nicht von den zweckgebundenen Spenden der Hunde.
Der jüngste Hund, den Werner momentan auf seinem Gnadenhof „Hund sein lässt“, ist der ca. 3 Jahre alte dreibeinige Chippie. Der älteste Hund der 15 Jahre alte Jamie. Die schlimmste Erkrankung, die ein Hund jemals erlitt waren Schimmelpilze im Gehirn, die dieses langsam auffraßen und sogar ein Auge von jetzt auf gleich platzte. Was klingt wie in einem Horrorfilm—–bittere Realität.
2-mal im Jahr lässt Werner bei allen Hunden Blut abnehmen und die Organe durchchecken. Keiner der Hunde wäre heute noch am Leben, wenn Werner diesen nicht aufgenommen hätte.
In einer Zeit, wo die Gleichgültigkeit der Menschen immer mehr wächst und kaum noch jemand die Lust hat, auch mal echte Hürden zu meistern, entledigt sich der Mensch lieber eines Hundes sobald er alt oder krank wird. Werner nicht!
Was ist, wenn der Werner einmal nicht mehr da ist? Auch dieses ist geregelt. Haus und Grundstück gehört den Hunden, die Angestellten kümmern sich so lange um diese alleine, bis ein geeigneter Nachfolger für Werner gefunden ist. Der Gnadenhof wird bestehen bleiben und weitergeführt werden.
Alles über Werner, die Schicksale der Hunde und sein Leben, kann man in seinen Büchern lesen. Diese sind erschreckend ehrlich, selbstkritisch, direkt und mit einem Hauch von Ironie und teilweise auch Witz geschrieben. Wo man so ein Buch bekommt? Direkt in seinem eigenen Onlineshop!
Wie man Werner und den Hunden etwas Spenden kann? Werner selbst, möchte nicht so gerne „einfach so eine Spende“ erhalten, sondern lieber mit seiner Arbeit überzeugen. Das Logo für die Kleidung hat er selbst entworfen, die Kalender werden mit viel Mühe liebevoll hergestellt. Besucht doch einfach mal seine Seite und überzeugt euch selbst: www.hundegnadenhof.de

Mein Fazit: Ich habe einen sehr klugen, witzigen, ehrlichen, nachdenklichen und tapferen Mann kennengelernt, der absolut vertrauensvolle Arbeit leistet und niemals aufgeben wird für die Hunde zu kämpfen, die andere schon längst aufgegeben haben

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